Vom Heika und Moribana zum Bunjin

Seminar in Leer mit Zoo-Lan Lee-Rötter, 14. und 15. März 2015


Das erste Ikebana-Seminar in diesem Jahr in Leer! Konnte der Frühlingsbeginn schöner gewürdigt werden als mit Bunjin-Arrangements in der Vase und in der Schale? Hannelore Krause, Leiterin der Ohara-Studiogruppe Nordwestdeutschland, hatte Zoo-Lan Lee-Rötter, Ikebana-Meisterin der Ohara-Schule aus Sinzig, als Seminarleiterin eingeladen.

Zoo-Lan Lee-Rötter war den meisten Teilnehmerinnen des Seminars aus Ikebana-Veranstaltungen von EOTA sowie aus Koblenz und Naurod bekannt. „Das Auto war so vollgepackt, dass kein Strohhalm mehr Platz hatte", verkündete Herr Rötter, der seine Frau begleitet hatte. Und was waren das wieder einmal für Materialschätze!

Bevor es an die Gestaltung von Bunjin-Arrangements ging, wurde am Samstagvormittag zunächst ein Heika und am Sonntagvormittag ein Moribana gestaltet, um sich mit Techniken und einem Blick für Längen, Winkel und Platzierung von Materialien „aufzuwärmen". Wunderschöne Magnolien-Zweige hatte Hannelore Krause für das Heika besorgt. Damit wurden sie zunächst aufgrund ihres Wuchses in der Geneigten Form als shushi und fukushi gesetzt. Die Zweige wiesen zum Teil Nebenzweige auf, die durch ihre Form die Schönheit der Hauptlinie unterstrichen. Bei vielen Arrangements wäre es bedauerlich gewesen, sie zu entfernen, nahmen sie doch schon die Positionen der drei weiteren Zweig-Füller ein. Unabhängig davon war es jedoch erforderlich, geschlossene Knospen und Unebenheiten an den Zweigen geschickt zu entfernen, um Fülle zu vermeiden und Linien klar erkennen zu lassen.Nach Positionierung der Zweige in der Vase wurde von Zoo-Lan bei allen Teilnehmerinnen das Gerüst kritisch betrachtet und entsprechend korrigiert. Sodann konnten Lilien als kyakushi und als Blumen-Füller in den vorgegebenen Positionen gesetzt werden. Zuletzt wurde das Heika z. B. durch Setzen von Ruskus vervollständigt, so dass das Arrangement ein sauberes nejime und die erforderliche Höhe erhielt.

Obwohl Magnolien und Lilien Materialien sind, die auch zur Gestaltung von Bunjin verwendet werden, stellten die geschaffenen Heika-Anordnungen keine Bunjin-Arrangements dar, da ein Bunjin-Arrangement vorrangig immer an einen poetischen Ausdruck gebunden ist.

Durch die Gestaltung eines Moribanas in der Geneigten Form am Sonntagvormittag wurde noch einmal verdeutlicht, dass durch Einhalten der Maße harmonische Arbeiten entstehen. Der Blick für die Gestaltung freier Formen wird geschärft. Wunderbar ausgeprägte bizarre Forsythien-Zweige wurden korrekt in den shushi-, fukushi- und Füller-Positionen angeordnet. Die shushi- und fukushi-Gruppe durften nicht voneinander losgelöst wirken, sondern mussten in Beziehung zueinander stehen. Als kyakushi und seine Füller wurden Iris verwendet. Diese waren zum Teil völlig aufgeblüht. Durch Bearbeitung der Blütenköpfe erhielten sie ein elegantes ansprechendes Aussehen. Die Farbe Grün wurde durch Setzen von Iris-Blättern im Auf und Ab ins Arrangement gebracht, eine Verbindung zwischen der Forsythie und der Iris geschaffen und der Kontrast vom Gelb der Forsythie und dem Blau der Iris harmonisiert.
Die Gestaltung eines Bunjins, sowohl als Heika als auch als Moribana, ist an keine Arrangiermethode der Ohara-Schule gebunden. Es werden keine Hauptlinien als shushi, fukushi und kyakushi herausgearbeitet, alle sind gleichberechtigt. Das individuelle Empfinden steht im Vordergrund. Voraussetzung für die Gestaltung eines Bunjins ist jedoch die Kenntnis der chinesischen Literati-Malerei und Dichtung. So strebten die chinesischen Literati nach Einheit von Bildung und Natur und brachten dies durch ihre Liebe zu Gärten, Blumen und Vasen, durch Dichten, Malen, Musizieren und Teetrinken zum Ausdruck. Einzelnen Pflanzenmaterialien wurde dabei eine symbolische Bedeutung zugewiesen. Daher sind Wahl und Kombination des Materials außerordentlich wichtig, um dem Arrangement auf diese Weise einen poetischen Ausdruck zu verleihen. Dafür stand für uns fantastisches Material bereit: Kamelien, Kiefer, Bambus, Nandina, Pflaumenzweige, Quitte, Zitronen- und Mandarinenzweige, Orchideen, u.a.m. Durch Anwenden von Heika-Techniken, um Zweige und Blumen in der gewünschten Position in der Vase anzuordnen, entstanden mit Zoo-Lans Hilfe wunderbare Arbeiten.
Das gleiche Material war auch am Sonntagnachmittag für das Bunjin-Arrangement in der Schale nach eigenem Geschmack auswählbar. Durch Verwenden eines Shippos konnten vor allem dicke Zweige oder dickstielige Blüten geschickt in der Schale positioniert werden. Zudem steht der Shippo metaphorisch für die Glückszahl 7 und verweist auf die 7 Schätze wie Gold, Silber, Beryll, Kristall, Muschel, Koralle, und Achat. Das zeigt, dass auch dem Blumenhalter eine symbolische Bedeutung zugrunde liegt.

Zoo-Lan hat uns vorgelebt, wie man sich selbst zurücknimmt und der Zweig, die Blume oder das Blatt die H a u p t s a c h e ist. Durch ihre wunderbare Anleitung und einfühlsame Korrektur sind Arrangements entstanden, die den Bunjin-Charakter widerspiegeln. Die Fotos der Arrangements legen hiervon Zeugnis ab.

Danke dafür.

Dr. Bärbel Hollmann

Fotos: Karin Kopp