OHARA Ikebana-Seminar der Studiogruppe Nordwestdeutschland in Leer

am 7. und 8. September 2013
Leitung: Joanna Charitou-Barczyk, President of the Ohara Greek Chapter

Joanna ante portas und halb Deutschland kommt! In diesem Jahr war es der Leiterin der Studiogruppe Nordwestdeutschland, Frau Hannelore Krause, gelungen, die Präsidentin des Ohara-Chapters Griechenland zu uns einzuladen, was bewirkte, dass wir auch auswärtige Teilnehmerinnen aus Frankfurt und Berlin begrüßen konnten. Zwei Tage lang konnten wir ein besonderes Ikebana-Erlebnis genießen.

Unser Programm sah folgendermaßen aus:

Samstag, den 07. 09. 2013:
1. Moribana Colour Scheme (Wasserreflektierender Stil)
2.
Hanamai (geneigte Anordnung)

Sonntag, den 08. 09. 2013:
3. Rimpa

4.
Realistische Landschaft (Wasserreflektierender Stil)

Zu diesen Arbeiten hatte Frau Barczyk für jede Teilnehmerin eine ganz umfangreiche Mappe erstellt, so dass wir ein kleines „Lehrbuch“ in der Hand hatten.

Zu 1: Moribana Colour Scheme (Wasserreflektierender Stil)

Material:
5 Zweige der Zier-Johannisbeere

3
orangefarbene Rosen
2
mehrblütige kleine weiße Chrysanthemen

Diese Form kann in runden, rechteckigen oder ovalen Schalen im Aufrechten Stil, Geneigten Stil oder als Wasserreflektierender Stil arrangiert werden. Wir sollten unser Arrangement im letztgenannten Stil in drei sich geringfügig überlappenden Gruppen arbeiten, wobei eine Materialgewichtung von 50 % für die Shu-Gruppe, 20 % für die Verbindungsgruppe und 30 % für die Kyaku-Gruppe zu beachten war. Gearbeitet wird dieser Stil, je nach Material, auf 2 bis 3 Kenzan, wobei für den vorderen Bereich ein dreieckiger Kenzan günstig ist.

Als alle Arbeiten fertig gestellt waren, „erleuchteten“ die orangefarbenen Rosen geradezu den Raum und perfekte Arbeiten waren entstanden.

Zu 2: Hanamai (geneigte Anordnung)
Material:
2 Anthurien

1
Zweig (Hagebutte, Hartriegel, Korkenzieherweide, Drachenweide .....)
1
Lederfarn

Wir hatten die Wahl, in runden, langen oder in maximal drei Einzelgefäßen zu arbeiten, wobei deren Stellung sorgfältig bedacht werden musste. Schon in der Hand sollte die Begegnung der Materialien überprüft werden. Nichts durfte parallel verlaufen, keine Symmetrie entstehen! Und Yin und Yang waren in der Materialzusammenstellung zu beachten.

Frau Bartczyk demonstrierte zwei Arbeiten: die erste in einer langen Schale, die zweite in drei Einzelgefäßen. Hierbei sollten zwei Gefäße enger zusammen stehen, das dritte separat. Schon dadurch wurde das (allgegenwärtige) Dreieck in der Konstruktion beachtet. Neben vielen Hinweisen zu Materialkombinationen und zum Arrangieren war der Hinweis besonders interessant, ein Hanamai immer etwas höher zu stellen, damit der Kenzan nicht zu sehen ist.

Der nächste Tag sah anspruchsvollere Gestaltungen vor


Zu 3: Rimpa (Fächerform nach Sotatsu)
Material:

5 Hahnenkamm

2
mittelgroße gelbe Chrysanthemen
kleine
weiße mehrblütige Chrysanthemen
Ahorn

Funkienblätter

Zunächst vermittelte Frau Barczyk uns sehr viel Hintergrundwissen zum Rimpa-Arrangement. Da jedes Rimpa eine Malerei aus der Edo-Zeit (17.19. Jahrhundert) zur Grundlage hat, wurden wir besonders auf die Methoden der Maler Ogata Korin und Tawara Sotatsu verwiesen. Ihre Malerei bestimmt, ob die Gestaltung des Rimpa in der Fächermethode oder der Kreismethode gearbeitet wird. Schon hier wurde klar, dass ohne Kenntnisse und Hintergrundwissen kaum ein korrektes Rimpa-Arrangement gestaltet werden kann, denn die Stimmung, die das Gemälde ausdrücken soll, und die Symbolik des Pflanzenmaterials sind von entscheidender Bedeutung.

Unsere Gestaltungsgrundlage war heute die Fächermethode nach Sotatsu. Die Aufgabe bestand darin, die Jahreszeit (Übergang vom Sommer zum Herbst) deutlich werden zu lassen, wobei das Gewicht auf dem Herbst liegen sollte.

Die Demonstration begann mit dem Arrangieren des Ahorns. Frau Barczyk bildete mit diesen Zweigen in niedriger Höhe den Rahmen. Danach wurden zwei verschieden hohe Gruppen mit zwei bzw. drei Hahnenkammblüten und dem restlichen Material gearbeitet. Frau Barczyk legte ganz großen Wert auf die sichtbare Wasserfläche und die perfekte, malerische Wirkung. Entsprechend viel Zeit verlangte die Erstellung und noch mehr die Korrektur.

Für den Nachmittag war dann die letzte Arbeit vorgesehen.

Zu 4: Realistische Landschaft (Wasserreflektierender Stil)

Material:
Kiefer
Wurzelholz

Ahorn
oder andere Zweige und Blätter
kleine
Chrysanthemen oder Mombretien

Zunächst wurde uns der Unterschied zwischen der Traditionellen und der Realistischen Landschaft ins Gedächtnis gerufen, ehe Frau Barczyk erklärend näher auf die Merkmale der Realistischen Landschaft einging. In ihrer Demonstration im Nahblick verwendete sie Kiefer im Wasserreflektierenden Stil als Hauptmaterial. Das Holz wurde in das Arrangement integriert. Mit wenig herbstlich gefärbtem Ahorn betonte Frau Barczyk die Jahreszeit. Kleine Chrysanthemen ordnete sie zurückhaltend in unterschiedlicher Höhe im mittleren Bereich an.

Mit wenigen aber schönen Materialien war eine überzeugende Landschaft entstanden, durch die man hätte spazieren gehen mögen.

Das war unser Arbeitspensum. Aber was hatten wir nicht alles erlebt an diesem Wochenende! Eine lockere, fröhliche und gleichzeitig hoch konzentrierte Arbeitshaltung machte das Arbeiten zum Erlebnis. Dabei habe ich in Gedanken vor Frau Barczyk „den Hut gezogen“. Sie hatte schon während der Demonstrationen immer wieder an Grundtechniken, wie das Schräganschneiden von Zweigen und das Geradeanschneiden von Blumen (alles unter Wasser), das richtige Einstellen in den Kenzan und das Beachten der Wachstumsrichtung erinnert und sie beeindruckte mit ihrer Genauigkeit beim Demonstrieren.

Der Höhepunkt war aber ihre Ausdauer und Geduld bei der Korrektur. Nicht nur, dass jedes Arrangement absolut korrekt gearbeitet sein musste, Frau Barczyk diskutierte mit jeder Gestalterin an deren Werk auch die Stellung der Zweige und das Ausschneiden von Linien und Blättern. So konnten wir wunderbar das Reduzieren von Material und dessen Wirkung beobachten. Wir freuten uns, wenn wir einen „Treffer“ gelandet hatten und mit Frau Barczyk in Bezug auf die Reduzierung einer Meinung waren. Diese Gründlichkeit bei der Korrektur hatte natürlich ihren Preis. Uns knurrte der Magen, bis es an beiden Tagen endlich zur Kaffeezeit ans Mittagessen ging. Eine so detaillierte Korrektur habe ich noch nie erlebt. Unser Durchhaltevermögen belohnte sie mit viel Lob und mitgebrachtem griechischen Pistazienlikör. Wir können ihr Durchhaltevermögen nur bewundern und uns noch einmal ganz, ganz herzlich für diese beiden intensiven Tage bei ihr bedanken.

Nicht zuletzt danken wir aber auch Frau Krause und ihrem Mann, die für dieses Seminar wieder einen unermüdlichen Einsatz gezeigt haben. Dabei möchte ich aber auch nicht die fleißigen Helfer im Hintergrund vergessen, die gekocht und gebacken haben und so für einen schönen Rahmen sorgten.

Das Wochenende war ein Erlebnis! Wir haben viel gelernt.

Hannelore Borchers
Fotos: Dr. Bärbel Hollmann und Karin Kop