Seminar mit Eliane Gagneux am 08. und 09. September 2012


Rimpa? Morimono? Klar: Das sind doch ganz besondere Ikebana-Arrangements der Ohara-Schule. Einige von uns haben schon einmal ein Rimpa-Arrangement gestaltet. Doch sie haben es in sich. Hannelore Krause, Leiterin der Studiogruppe Nordwestdeutschland, hat es uns ermöglicht, diese Werke unter der Leitung von Eliane Gagneux am Samstag, den 08.09.2012, zu studieren und zu gestalten. Zum zweiten Mal ist die Sub-Grandmasterin Eliane Gagneux aus der Schweiz nach Leer gekommen. Groß war die Freude über ein Wiedersehen auf beiden Seiten. Wer bereits im März 2010 am Seminar mit Eliane Gagneux teilgenommen hatte, ahnte schon, welche Bereicherung die Zusammenarbeit bringen würde.

Neben einem Rimpa-Arrangement wurde am 08.09.2012 auch ein Morimono erarbeitet. Am Sonntag, dem 09.09.2012, stand noch einmal Morimono auf dem Seminarplan. Statt Rimpa wurde aber ein Narabu gestaltet. Rimpa-Arrangements und Narabu sind vergleichsweise lineare Formen, ohne viel Tiefe.

Rimpa-Arrangements wurden von Houn Ohara 1960 ins Ikebana eingeführt. Ihrer Gestaltung liegt die Idee zugrunde, die Rimpa-Maltechnik mit lebenden Blumen anzuwenden. Das setzt voraus, über Rimpa-Malerei auf Stellschirmen, Schiebetüren und Fächern detaillierte Kenntnisse zu verfügen. Wer kann da besser den theoretischen Hintergrund vermitteln als Eliane Gagneux? Rundfächermethode, Faltenfächer-Form, Auswahl der Materialien, Leerräume zwischen den Gruppen, hohe und niedrige Materialien, starke und schwache Rhythmen, das Pathos der Natur einzubringen, dies sind nur einige Aspekte, die mit Leben bei der Gestaltung zu füllen sind.

Ihr tiefgreifendes Wissen bot Eliane kompakt und übersichtlich in einer Seminarmappe dar. Durch gemeinsames Lesen vertieften wir uns in die Arbeit. Mit gelben und weißen Chrysanthemen wurde dann begonnen, den Rahmen des Arrangements in Form von Rundfächern zu erstellen. Ergänzt wurden diese Stiele durch Setzen von Zweigen der Rosa multiflora im Auf und Ab. Der Untergrund der Gruppen wurde durch Viburnum- und Ahornzweige wie gemalt gestaltet. Die Kenzane sollten nicht mehr zu sehen sein, gleichwohl aber Teile der Wasseroberfläche. Mit roten Chrysanthemen wurden dann malerische Farbeffekte z.B. in der Gruppe mit den gelben Chrysanthemen gesetzt. Miscanthus-Blätter verbanden schließlich die Gruppen untereinander.

Ein Erlebnis für alle Sinne war jedoch die Gestaltung eines Morimonos. Morimono bedeutet wörtlichangehäufte Sachen. Orchideen, Obst und Gemüse der verschiedensten Formen, mit der ganzen Farbpalette von violett bis grün, Äste, die auf eine Unterlage angeordnet werden. Die Unterlagen können Holzbretter sein, aber auch Bambustranchen, Lacktabletts, Holzunterlagen in Form von Blättern (z.B. eines Bananenblattes), Keramik. Aber auch frische Bananen- oder Lotusblätter werden gern als Unterlagen für Morimono verwendet. Auch die Jahreszeit muss in jedem Werk herausgestellt werden.

Aber nicht einfaches Hinlegen der Sachen nach eigenem Empfinden war die Vorgehensweise für diese Gestaltung. Es waren verschiedene Regeln und Fakten zu beachten. Vor allem musste der Yin- und Yang-Charakter herausgearbeitet werden. Dazu mussten sich ergänzende Elemente gefunden werden, wie z.B. hoch und niedrig, klein und groß, lang und kurz, gerade und gebogen, rau und glatt, stark und schwach, alt und jung, frisch und trocken. Außerdem mussten in den Arbeiten die Hauptlinien Subjekt (shushi), Zweitlinie (fukushi) und Objekt (kyakushi) einschließlich entsprechender Füller nach den Vorgaben der Ohara-Schule erkennbar sein.

Es kamen die unterschiedlichsten Werke zustande. Dass alle Werke zum Schluss so ausdrucksstark waren, war dann nur der Hilfestellung durch Eliane Gagneux, ihrem profunden Wissen und ihrer erklärenden, geschickten Korrektur zu verdanken.

Am Sonntag begann der Seminartag mit der Gestaltung eines Narabus in der Frontansicht. Als Hauptmaterial für shu und fuku wurden weiße Anthurienblüten verwendet. Da die Blüten sehr groß waren, war es wichtig, ihnen eine ansprechende Stellung zu verschaffen, damit sie nicht zu dominierend wurden. Weiße Calla wurden in die Position des kyakus gesetzt. Mit Sandersonia kam Farbe ins Arrangement. Weißes Schleierkraut zog sich durch alle Gruppen. Die Basisfarbe Grün wurde durch Blätter der Aukube und durch Asparagus plumosus gestaltet. Für eine Verbindung zwischen den Gruppen sorgte Bärgras.

Freude pur am Ikebana war an beiden Seminartagen das große Empfinden. Eliane Gagneux hatte für jeden Schweizer Goldstücke mitgebracht. Sie wirkten wie kleine Sonnen auf den Tischen und wurden von Kranichen begleitet, die Eliane gefaltet hatte. Auf diese Art wünschte sie allen ein sorgenfreies, langes Leben bei guter Gesundheit.

Außer an Eliane Gagneux geht der Dank besonders an Hannelore Krause, die durch ihren unermüdlichen Einsatz und ihre umsichtige Organisation alles ermöglicht hat. Und Dank an Enno Krause, der als guter Geist - bescheiden wie immer im Hintergrund - ebenfalls für den harmonischen Ablauf des Seminars sorgte.

Bald einmal wieder Ikebana unter der Leitung mit Eliane Gagneux machen zu können, bleibt als Wunsch zurück.


Dr. Bärbel Hollmann