Wochenend-Seminar der Ohara-Studiogruppe Nordwestdeutschland in Leer
mit Annelie Wagner

Samstag 13. Feb. 2016
Befestigungen im Shippo: sehen, verstehen, üben / Traditionelle Mittelsicht-Landschaft im Shippo

Die Ohara-Studiogruppe-Nordwestdeutschland bot am Wochenende 13.-14. Februar 2016 ein Seminar zum Thema Befestigungstechniken im Shippo und Landschaftsikebana an. Geleitet wurde das Seminar von Frau Annelie Wagner.

Frau Wagner zeigte zu Beginn, welche unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten es im Shippo gibt. Sie erklärte die einzelnen Befestigungsmöglichkeiten und führte sie anschaulich vor. Danach ging es ans Selbermachen. Hierfür standen uns die „Modelle“ zur Verfügung, die Frau Wagner gezeigt hatte, und zusätzlich eine Seminarmappe, in der auf Farbfotos alles gut erklärt war.

Große schwere Äste und kleine zarte Stängel erhalten bei dieser Befestigungstechnik eine ebenso gute oder bessere Standfestigkeit als im Kenzan. Es ist darauf zu achten, dass das zu befestigende Material drei Kontaktpunkte bzw. Flächen haben muss, um Standfestigkeit zu erhalten. Auch die Möglichkeit, in sehr flachen Schalen zu arbeiten, ist mit dem Shippo möglich. Es gibt Shippos in unterschiedlicher Größe und Schwere, die je nach geplantem Ar­rangement auszuwählen sind.

Gestärkt durch eine gute nahrhafte Suppe, die Frau Krause für die Gruppe gekocht hatte, eine leckere rote Grütze und verschiedene selbstgebackene Köstlichkeiten, ging es weiter zur Traditionellen Landschaft.

Frau Wagner war es gelungen, japanische Zierquitten für uns zu besorgen. Herrliche Zweige in unterschiedlichen Farben, die kurz vor der Blüte standen. Dazu wurden kleine Chrysanthe­men in weiß arrangiert. Auch hier stand uns die Unterrichtsmappe zur Verfügung, in der in Schrift und Bild das Vorgehen detailliert erklärt wurde.

Die Landschaft kann in aufrechter und ge­neigter Form gestaltet werden. Der Cha­rakter der Quitte, die in der Natur kreuz und quer wächst, sollte erhalten bleiben. Dies sollte mit 5 Zweigen, die in adäquater Länge zu gestalten waren, zum Ausdruck gebracht werden. Ferner waren die Posi­tionen der Shippos in der Schale, die be­sondere Bedeutung des hohen Füllers und die Reduzierung der Chrysanthemen, die ganz zart als Subjekt und Blumenfüller zu gestalten waren, zu beachten.

Frau Wagner erklärte und korrigierte mit viel Begeisterung und Respekt. Die Teilnehmerinnen waren mit viel Freude und Konzentration bei der Sache. Es war rundum ein gelungener Tag und es entstanden schöne zarte Gestecke, die die Vorfreude auf den nahenden Frühling zum Ausdruck brachten.

Sonntag 14. Feb. 2016

Kreatives Gestalten von Landschaften aus der Sichtweise von europäischen Malern

Am 2. Tag bearbeiteten wir mit Frau Annelie Wagner ein ungewöhnliches Thema. "Kreatives Gestalten von Landschaften aus Sichtweise von europäischen Malern". Die Herausforderung bestand darin, die Inhalte der Bilder in die Dreidimensionalität von Oha­ra-Formen umzuwandeln.

In der ersten Arbeit setzten wir uns mit Caspar David Friedrich (1774 - 1840), be­rühmter Vertreter der Romantik auseinan­der. Zusammen analysierten wir seine Bil­der an Hand bekannter Beispiele wie „Der einsame Baum“, „Mönch am Meer“, „Wan­derer über dem Nebelmeer“. Zu entdecken waren die künstlerischen Stilelemente gol­dener Schnitt, Hyperbeln, Dreiecke, Flucht­perspektiven, Symmetrie und Asymmetrie.

Diese Aspekte der Malerei galt es jetzt in eine Fernblick-Landschaft mit einem ein­zelnen Baum, ob blühend oder noch win­terlich kahl (Kirsche) umzusetzen. Individu­elle Vorstellungen und Gefühle für eine realistische Landschaft im Spätwinter/ Vorfrühling lie­ßen sehr unterschiedliche Natureinblicke zu. „Die blaue Blume der Romantik“ bildete das I-Tüpfelchen in unseren Arrangements.

In Anlehnung an ein gehaltenes Seminar von Frau Jenny Banti-Pereira beschäftigten wir uns danach mit Bildern von Henri Rousseau (1844 - 1910). Seine Dschungelbilder in naiver Mal­weise, die sowohl eine Üppigkeit der überwiegenden grünen Pflanzenwelt zeigten, als auch den Überlebenskampf der Kreaturen, dienten uns als Vorlage für eine Gestaltung in zwei Schalen.

Plakative Darstellung, keine Schatten, un­realistische Größenvergleiche - diese Be­sonderheiten in Rousseaus Bildern sollten mit Strukturelementen wie die Dominanz der Farbe Grün, diagonale und senkrechte Linien mit Überschneidungen und Farbak­zente durch Blüten, in Beziehung gesetzt werden.

Beim Gestalten des Ikebana diente uns die Vorstellung eines Rimpas (Kreisform), wo­bei die Schalen wie in einem Rahmen zu stehen schienen, also mit seitlichen Begrenzungen. Wir schwelgten in dem vielfältigen, üppigen Materialangebot, das uns Frau Wagner zur Ver­fügung stellte und gestalteten „unsere eigenen Urwälder“. Manchmal waren rote Anthurien­blüten mit ihren glänzenden, grünen Blättern als Fokuspunkt zu sehen, ein anderes Mal lugte eine Strelitzie durch Palmenblätter oder dunkelgrüne Zamioculcas (Glücksfeder). In dem grü­nen Auf und Ab konnte man gedanklich „die Affen herum hüpfen sehen“.

In dem sich anschließenden Rundgang er­hielten wir nicht nur fachkompetent, individuelle Korrekturen, sondern so mancher Tipp zur Ikebana-Technik wurde dankbar abgespeichert.

Alle waren von diesem Ikebana-Seminar begeistert, welches viel zu schnell vorüber war. Unser Dank galt Hannelore Krause und besonders dem gut eingespielten „Team Wagner“, die uns dieses sehr berei­chernde Wochenendseminar so hervorra­gend vermittelt und organisiert haben.

1. Tag - Monika Braam
2. Tag - Anke Helm-Brandau

Fotos: Annelie Wagner und Karin Kopp