STUDIOGRUPPE-NORDWESTDEUTSCHLAND der OHARA-IKEBANA-SCHULE 


Das Moor - eine Landschaft als Inspiration


Seminar der OHARA-Studiogruppe Nordwestdeutschland

am 12. und 13. 06. 2010 in Leer

Mit dem Moor-Seminar, das am 12.und 13.06.2010 stattfand, erfüllte sich Hannelore Krause einen lang gehegten Wunsch. Zusammen mit Enno Krause und Karin Kopp, die bereits 2009 in Naurod ein ähnliches Seminar abgehalten hatte, wurde diese Ikebana-Veranstaltung in Leer durchgeführt. Dieses Mal sollte dem Wiedervernässungsmoor von Karin Kopp das noch intakte, baumlose Hochmoor im Modell gegenübergestellt werden, in dem nur sehr wenige hochspezialisierte Pflanzen wachsen, und das hauptsächlich seine Struktur über die unterschiedlichen Torfmoose mit ihren verschiedenen Wachstumsphasen bekommt.


Jeder Platz war in gewohnter Manier wieder mit einer ausführlichen Informations- und Anleitungsmappe ausgestattet worden. Weil die Kraniche auf ihrem großen Flug ins Teufelsmoor immer mal wieder eine Pause einlegen, erhielt jede Teilnehmerin auch noch einen Origami-Kranich. Nachdem alle Platz genommen hatten, ertönte eine wunderbare Musik und Anne Sofie von Otter sang Schuberts Erlkönig. Damit schuf Frau Krause eine besinnliche und feierliche Atmosphäre. Sie sprach dann motivierende Einleitungsworte und übergab Karin Kopp die Leitung für den Vormittag ab. Diese gab dann eine Einführung in das bevorstehende Arrangement, eine realistische Landschaft als Moorlandschaft. Anschließend demonstrierte Karin Kopp mit Hilfe einer Computerprojektion die Geschichte des Teufelsmoores, seine Entstehung, Vegetation, den Torfabbau und die Kolonisation. So erfuhren wir auch, dass sich der Teufel dort bei Leibe nicht niedergelassen habe. Vielmehr war das Gebiet zwischen den Flüssen Wümme und Oste kahl und unfruchtbar, man bezeichnete es als 'dov' (= taub). Doch im Laufe der Zeit wurde aus dem doven Moor ein Düvelsmoor (Teufelsmoor). Das dove Land hat sich durch die ab Mitte des 18. Jh. einsetzende Kultivierung zu einer fruchtbaren und interessanten Landschaft entwickelt. Reste des verlorengegangenen Moores werden heute wiedervernäßt, um den seltenen Pflanzen und Tieren ein Refugium zu erhalten. 


Bekannte Künstler wie Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler, Paula Mo­dersohn-Becker u. a. entdeckten das Moor und seine Zivilisation, ließen sich hier nieder und gründeten die bekannte Worpsweder Künstlerkolonie. Karin Kopp hatte sehr gut ausgewählte Bilder dieser Künstler zusammengestellt und Motive, Farben und Kompositionen lehr­reich erläutert. Es brauchte schon seine Zeit, um alle Informationen aufzuneh­men und „abzuspeichern“.

 
 

Dann aber kam die Krönung. Das Ehepaar Krause hatte in einem großen ovalen Bam­buskorb, einem alten japanischen Kinderbett, eine traumhafte, wirklichkeitsnahe Hochmoor­landschaft gestaltet, die uns regelrecht ver­zauberte. Man konnte seinen Blick fast nicht mehr abwenden. Karin Kopp und das Ehepaar Krause hatten Wochen vorher angefangen, eine Fülle von Materialien zu sammeln, die zum Thema passten. Für alle Seminarteilneh­merinnen stand schließlich mehr als genug Material zur Verfügung. Aber nicht nur, dass Herr Krause uns am Modell den Aufbau und die Entstehung eines Hochmoores aufzeigen konnte, er hatte sich im Vorfeld auch wissen­schaftlich damit befasst und die bedeutends­ten Hochmoorpflanzen (Beinbrech, Besenried, Faulbaum, Gagelstrauch, Glockenheide, Moosbeere, Moorbirke, Rauschbeere, Rosma­rinheide, Sonnentau, Sumpfbärlapp, Sumpfporst, Torfmoos und Wollgras) im Portrait festgehalten. Jede Teilnehmerin fand in ihrer Mappe eine schriftliche Ausarbeitung mit einem Foto dieser Pflanzen, so dass wir im Besitz einer wunderbaren Pflanzenkunde des Moores sind.

Mit viel Wissen konnten wir uns nun an die Gestaltung unseres Ikebana machen. Zuvor mussten aber noch passend zur Größe der jeweiligen Schale Birkenstämmchen gesägt werden. Zusätzlich zu den vorgesehenen Materialien gab es noch Torf, Gräser, Bergenienblätter und Calla. Glücklicherweise hatten wir eine gut erklärte Einweisung in den Aufbau (Umgebung darstellen, Untergrund anordnen, eindeutige Grenze zwischen Landbereich und Wasser, Kontraste, d. h. feines und kräftiges Material, unterschiedliche Grüntöne und trockenes Material, Höhenunterschiede usw.) von Karin Kopp erhal­ten. Außerdem standen uns Anschauungsobjekte zur Verfügung, die uns zusätzlich inspirieren konn­ten. Nun lag es an uns, unser Wissen und unsere Kreativität in die Tat umzusetzen. Frau Krause und Frau Kopp waren ebenfalls vollbeschäftigt und standen uns mit Rat und Tat behilflich zur Seite. Alle gaben ihr Bestes. Trotzdem gab es natürlich zum Schluß beim Durchsehen immer noch kleinere und größere Korrekturen. Mittags aber standen dann wunderbare Arrangements auf den Tischen und da­vor glückliche und stolze „Arbeiterinnen“.

         

 


Zur Belohnung gab es ein typisches norddeutsches Essen: Labskaus und Buchweizenpfannkuchen. Anschließend wurden noch Tee und Kaffee angeboten sowie Buchweizentorte und „Torfkuchen“, um das folgende Ikebana munter anzugehen.

Für das Doppelarrangement bekam jede Teilnehmerin ein altes Holzbrett, eine große hohe und eine kleinere niedrige Gefäßumhüllung aus Birkenrinde mit den passenden Glasgefäßen. An Pflanzen standen uns blaue Iris, Sumpfschwertlilienblätter, Milchsterne, Wollgras, Zweige des Gagelstrauches, der Rauschbeere, der Moorbirke oder des Faulbaumes zur Verfügung. Das Arrangement sollte als Einheit und nicht als zwei separate Teile erstellt werden. Auch das Material sollte ähnlich wie beim Yoso-oi entspechend verteilt werden, d. h. mindestens ein Material muss in beiden Gefäßen vorhan­den sein. Auch hierfür erstellten Frau Krause und Frau Kopp einige eigene Kreationen als Anschau­ungsobjekte. Beide standen wie am Vormittag mit einer Engelsgeduld und gleichbleibender Freund­lichkeit für Fragen und Hilfe zur Verfügung. Es war ein ruhiges und befriedigendes Arbeiten. Es ließ ein Gefühl von Dankbarkeit und Freude in einem aufkommen. Am Ende ist man immer wieder er­staunt darüber, welch' unterschiedliche Arrangements bei gleicher Themenstellung und gleichen Ma­terialien entstehen.


 


Es war ein Seminar, das man fast nur mit Superlativen besetzen kann, angefangen bei der Organisa­tion über die Information, Material usw.. Wir können dem Ehepaar Krause und Karin Kopp für all' ihre Bemühungen nur unseren herzlichen Dank aussprechen. Wir freuen uns schon auf das nächste Se­minar.



Frauke Franken-Rieschick