Ein Schweizer in Nordwestdeutschland...


... Herbstliches Ohara-Ikebana mit Großmeister René Mutti.


Mitte Oktober 2019 freuten sich die Teilnehmerinnen des Chapters Leer, den Großmeister René Mutti aus Zürich schon zum dritten Mal (nach 2015 und 2016) für vier Lektionen begrüßen zu können.


Am Samstag, 12. Okt., starteten wir mit einem Hanakanade - „der Blume, die Musik macht“. Diese Form wurde vom Headmaster Hiroki Ohara entwickelt und ist mit wechselndem Material das ganze Jahr über einsetzbar. „Leicht und elegant, mit Harmonie zwischen den Hauptlinien“ sollte das Hanakanade gearbeitet werden. Laut René Mutti müssen wir „das Material mit den Händen bearbeiten, um es zu spüren.“ Dieses konnten wir bei seiner Demonstration nachvollziehen.

Uns standen Neuseelandflachs, Kängurupfötchen, Sonnenblumen und zur Kenzan-Abdeckung Asparagus, Schleierkraut und Galax-Blätter zur Verfügung. Unterschiedliche Arrangements entstanden, da für die aufstrebenden, sich kreuzenden Hauptlinien drei Materialien wählbar waren. Diese Form erscheint leicht, die Umsetzung war schwierig! Augenmerk musste auf „schöne Linien“ gelegt werden, deren Kreuzungspunkte nicht in der Mitte der Schale liegen wie beim Hanamai. Die Blumen an den Fußpunkten werden nach außen, nicht nach innen gesetzt. Die Kenzan-Abdeckung überragt nicht den Schalenrand. Mit René Muttis individueller Korrektur kamen alle Teilnehmerinnen zu guten Ergebnissen.


Nach der gemütlichen Mittags- und Fotopause widmeten wir uns dem Heika mit einem Material - rote oder orangefarbene Hahnenkämme (Celosia) und Hirsegras als leichter Füller.Das Material muss in der Vase halten!“ Aus diesem Grund gab uns der Kursleiter noch einmal einen praktischen Überblick über die Befestigungsmöglichkeiten - die 3-Punkte-Fixierung. Diese Heika-Form mit Hahnenkamm wäre auch denkbar mit Gladiolen, Lilien, Rosen, Eisenhut, Sonnenblumen ... Dieses genannte Blumenmaterial gibt die aufrechte Form vor. Fünf Linien Hahnenkamm, bei denen die Blüten eher seitlich und nicht quer gestellt werden, galt es in der Vase zum Halten zu bringen. Die Hirsegräser zum Abschluss werden von vorn nach hinten in die Vase gesteckt und nicht von oben nach unten.

Es war eine Herausforderung dieses elegant-herbstliche Heika zu erstellen. Aber auch hier half René Mutti mit großer Geduld und vielen technischen Tipps.

Anke Helm-Brandau für den 1. Tag

Fotos: Karin Kopp



Gespannt warteten wir am Sonntag, 13. Okt., auf die dritte Anordnung: Hiraku in einer Fußschale. René Mutti erklärte uns anhand einer Zeichnung die Anordnung und Anzahl der Blumen für Shu und Fuku. Dann begann er seine Vorführung. Er gestaltete sein Hiraku mit grünen Anthurien, gelber Gerbera, Craspedia (Trommelschlägel), Schleierkraut und Asparagus. Dabei stand er hinter seinem Arrangement und arbeitet zu uns hin. Er erklärte jeden einzelnen Schritt und gab uns viele Tipps zur Anordnung und zur Befestigung. „Hiraku ist nicht so einfach, wie es aussieht. Je weniger Material, desto schöner und eleganter die Anordnung.“ Während wir arbeiteten, ging der Meister von einer Teilnehmerin zur anderen, half hier und da, änderte gelegentlich Richtung oder Länge einer Blume. Seine ruhige, bedächtige Art sorgte für eine angenehme und entspannte Atmosphäre.

Pünktlich zur Mittagspause waren unsere Anordnungen fertig, korrigiert und fotografiert. Wir ließen uns Essen und Kaffee schmecken und hatten dabei Zeit zum Plaudern und Austauschen von Erfahrungen.

Nach der Pause demonstrierte uns René Mutti Herbstanordnungen in zwei unterschiedlichen Körben. Einen hohen Korb gestaltete er mit rotem Zierapfel, bunten Blättern, Zweigen, Miscanthus und blauem Enzian. Aus diesem entfernte er von oben her einige Blüten, um die Linie interessanter zu machen. Der zweite kompaktere Korb konnte die dicke Blüte einer Celosia (Hahnenkamm) vertragen. Dazu kamen herbstbunte Ahornzweige und Miscanthus. René Mutti erklärte: „Korbanordnungen sind klassische Formen und wie kleine Landschaften. Die Pflanzen sollen zur Jahreszeit passen und einen Stil (z. B. aufrecht oder geneigt) als Grundform haben. Das Material wird vor dem Henkel zu einer Seite geneigt angeordnet.“


Während wir arbeiteten, ging René Mutti herum, setzte sich vor jede Anordnung, schaute in Ruhe, beriet und änderte hier und da ein wenig. Sein Schlusswort: „Ikebana macht man mit Händen, Füßen und mit dem Herzen.“

Am Ende hatten wir viel Neues gelernt und Altes aufgefrischt. Alle waren sehr zufrieden. Wir bedankten uns bei René Mutti für ein schönes, entspanntes Ikebana-Wochenende und bei allen Helfern für einen gelungenen Ablauf.

Marlene Theuring für den 2. Tag

Fotos: Karin Kopp